Mittwoch, 27. Juni 2012

...scheinbar nicht durch respektvolles Abstandhalten.

Es gibt wenig, dass mich so sehr aufregt, wie fremde Menschen, die einem räumlich zu nah auf die Pelle rücken. Was ist bloß los mit den Leuten?    

Keine Ahnung, ob, und wenn ja, wie oder wo ich das gelernt habe. So ein gewisses Gespür für das respektvolle Einhalten von Grenzen trägt man doch in sich. Denke ich. Oder bin ich die Einzige, die nicht zwangsläufig in der Duftwolke schweißgetränkter Kleidung und zwiebeligem Atem stehen möchte?

Ich könnte ausflippen, wenn ich hinter mir an der Kasse eine Wärmeentwicklung spüre, als stünde ich 2 cm vor einem bollernden Heizlüfter. Meist drehe ich mich dann genervt um und starre dem Drängler so lange ins Gesicht, bis der oder diejenige den Blick abwendet. Wenn’s ganz unverschämt ist, trete ich auch gerne mal, scheinbar gedankenverloren, einen grosszügigen Schritt zurück nach hinten. Wahlweise schwenke ich auch den Ellbogen ein wenig weiter aus als üblich. „Uups! Tut mir sehr leid. Ich wusste ja nicht, dass Sie bereits so nah aufgefahren sind.“ Mehr Abstand verschaffe ich mir damit aber erstaunlicherweise in beiden Fällen nicht. Also, was tun?

Immer wieder nehme ich mir vor, bei der nächsten ungewollten Annäherung, die entsprechende Person höflich um mehr freien Raum zu bitten: „Entschuldigen Sie bitte, aber wären Sie so freundlich und würden ein kleinwenig mehr Abstand halten? Ich empfinde diese ungewollte Nähe als unangenehm und fühle mich bedrängt.“ Wäre doch sehr höflich und ehrlich, oder? Wirklich getraut habe ich mich das bisher aber noch nicht.

Kommentare:

  1. Ach, Du Gute, ich bin bei Dir. Also mental, nicht auf der Pelle.

    Das Ungewollte an einer Situation, in der man netto kundtut, wie bedrängt man sich fühlt, ist ja immer, dass man selbst als "zickig" dasteht. Die hohe Kunst ist wohl, die eigenen Grenzen so aufzuzeigen, dass sie a) nach Aufforderung respektiert werden und b) die Raumtemperatur nicht fällt.

    Geht wahrscheinlich nur mit Geschmeidigkeit und Humor. Aber weiter bin ich da auch noch nicht.

    Liebste Grüße, Nina

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    1. Ja, ich fürchte, dass neben Geschmeidigkeit und Humor, auch mehr Gelassenheit hier eines der Stichworte sein könnte. Ich übe weiter. Liebste Grüße und einen schönen Abend zurück

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    2. Liebe Frau Schmöth,
      ich bin ein bisschen spät, aber ich wollte unbedingt noch etwas zum "Individualabstand" sagen. Habe definitiv alles probiert ... von freundlich bis zickig ... und bin zu einer schönen Variante gekommen, die mir immer wieder Spass macht: "Entschuldigen Sie bitte, aber ich halte es für besser, wenn Sie mir nicht ganz so nah kommen; meine Kinder haben gestern Kopfläuse aus dem Kindergarten mit Nachhause gebracht und ich weiß noch nicht genau, ob ich auch welche habe - Danke schön!" Wenn Du ein bisschen Glück hast, nimmt auch derjenige vor Dir direkt mehr Abstand :-). Herzliche - kopflausfreie - Grüße

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    3. Großartig! Das werde ich ausprobieren und berichten.

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  2. Das musste ich eben noch schnell lesen und ich verstehe dich soooo gut! Ich hasse es, an der Kasse den Atem meines Hintermanns im Nacken zu spüren oder wenn halbfremde Menschen bei einer Unterhaltung nur 2 cm von meinem Gesicht entfernt sind. Egal ob sie duften oder nicht - ich brauche bitte ein paar Centimeter Freiraum.

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