Ich habe mich immer für einen halbwegs
intelligenten, tatsächlich aufgeklärten und informierten Menschen
gehalten. Seit 1993 bin ich Vegetarierin. Habe mir eingebildet, dass ich damit bereits soviel Gutes tue, dass ich mir die Realität in
Bildern und Berichten nicht mehr geben muss. Dachte mir, dass ich
schon wüsste, wie es hinter den Mauern von Tierfabriken und
Versuchslaboren aussieht.
Tatsache ist, ich wusste es nicht! Tatsache ist auch, dass alles, was man sich vorstellt, in Wirklichkeit noch viel schlimmer ist. Tatsache ist, dass auch ich mir was vorgemacht habe. Der Realität ins Auge zu blicken ist nicht nur unangenehm, sondern es schmerzt und ist fast unerträglich. Ich glaube fest, dass die meisten Menschen umdenken, würden sie nur einmal richtig hinsehen. Einmal die Berichte von Schlachthausmitarbeitern lesen, sich nur einmal die Bilder und Videos von Tiertransporten, Versuchslaboren und Tierfabriken ansehen.
Mit welchem Selbstverständnis die Menschen Tierprodukte konsumieren, ist erschreckend. Nach Berechnungen der Albert Schweitzer Stiftung
werden in Deutschland jährlich 12 Milliarden Tiere gegessen, das
sind durchschnittlich 150 pro Bundesbürger. In diesem Jahr, also 2012, werden
weltweit schätzungsweise 56 Milliarden Tiere alleine zum Verzehr
geschlachtet – dabei sind die Tiere, die bereits vor der
Schlachtung durch diverse Krankheiten elendig verenden, Fische, die als "Beifang" qualvoll sterben und alle Versuchslabortiere gar nicht mit eingerechnet. Das ist schierer
Wahnsinn und unvorstellbar.
Ich
habe anfangs geglaubt, vegetarisch zu leben reiche aus. Für mich heute
nicht mehr. Ich habe trotz meiner Furcht davor hingesehen. Zwei
Wochen lang alles gelesen und angeschaut, was ich im Netz finden
konnte. Nächtelang
habe ich kein Auge zugemacht, die Bilder haben mich verfolgt. Dann
habe ich damit aufgehört und eine längst überfällige Entscheidung
getroffen. Einfach so.
Die
Welt verändern ist im Grunde ganz simpel. Man muss halt nur einfach
mal anfangen. Wo und wie ist dabei vollkommen egal. Jeder Schritt in
die tierproduktfreie Richtung ist gut, jeder noch so kleine Schritt
hilft. Eines der mächtigsten Instrumente ist immer noch unsere Kaufkraft. Ob
es vegane Ernährung, fleischfreie Tage oder ab jetzt ein
tierversuchsfreies Shampoo vom DM-Markt ist. Wir haben großes Glück,
denn wir haben die Wahl.
Niemand
ist perfekt, keine Veränderung gelingt von jetzt auf gleich. Meine
Umstellung hat vor 19 Jahren begonnen.

Hallo,
AntwortenLöschendu hast einen sehr schönen Blog mit klasse Bildern. Bitte nicht aufhören :)
Liebe Grüße,
Federchen
Vielen lieben Dank!
LöschenFrau S! Ich mag deinen Blog sehr. Als ich vor etwas mehr als einem Jahr umgestiegen bin auf die vegane Ernährung (nach langen Jahren des alles-essens und wegschauens), hab ich erstmal nur Kochbücher. Nun - vor ein paar Monaten -bin ich endlich auf die ganzen Blogs zum Thema aufmerksam geworden! Schön, schön! Also bitte weiter machen. Und ich bin vor kurzem auch gestartet -aber muss noch vieles an Unterseiten und so bauen. Wenn du magst, schau mal rein noch agiere ich quasi unter Ausschuss der Öffentlichkeit. Spaß macht es mir trotzdem sehr. Allerdings geht bisher noch nicht um vegane Ernährung sondern eher um "Psycho-Gedöns" . Freu mich über deine Meinung wenn du magst. Viele Grüße schickt Silja. (entspannt-gluecklich heißt auch der Blog)
AntwortenLöschenDanke, es freut mich sehr, dass Dir der Blog gefällt. Werde gleich mal zu Dir rüber surfen.
LöschenHallo Frau S.,
AntwortenLöschendanke! Ich finde mich in Deinem Bericht zu 100% wieder. Bin seit 12 Jahren Vegetarierin, mit Pausen in den Schwangerschaften, weil ich dachte, ich muss meinen Kindern "was Gutes" tun. Ich dachte, ich wüsste das alles. Ich war so blind. Unser Kühlschrank ist, obwohl ich doch dachte, "nur Gemüse" zu kochen, voll von tierischen Produkten, von deren Herstellung und Konsequenzen ich absolut keine Ahnung hatte. Jetzt steige ich aus. Und will einen so konstruktiven und positiven Weg finden wie Du, meinen Mitmenschen zu begegnen und ihnen vielleicht auch ein wenig die Augen zu öffnen.
Mein verspätetes Aha-Erlebnis: Das Buch "Tiere Essen".
Wie redest Du im Alltag über Deine Entscheidung? Gibt es da Vorschläge und Konstruktives, was auch bei Deiner Familie/ Deinen Freunden eine Wirkung hat/ sie dazu gebracht hat, sich mit unserem Konsum auseinander zu setzen? Danke schon jetzt für eventuelle Tips! Und bitte weitermachen!
Juna (Facebook: juna sample)
Hallo Juna,
Löschenvielen Dank für Deinen Kommentar. Einen einfachen und immer anzuwendenden Tipp kann ich Dir leider nicht geben. Es kommt immer darauf an, wem ich gegenüberstehe. Ich denke, ich gehe da eher den offenen, standhaften und "vorlebenden" Weg. Ich predige nicht. Das führt nur dazu, dass der Gegenüber dichtmacht. Aber ich bleibe sehr strikt, was meinen Konsum und die Ernährung angeht. Das heißt, dass ich bei Einladungen oder Firmenessen klar kommuniziere, dass ich vegan lebe. Wenn es im Restaurant oder auf Veranstaltungen nichts Passendes gibt, mache ich keine Kompromisse. Ich esse dann halt nichts und trinke auch keinen Wein, wenn ich nicht erkennen kann, ob dieser vegan ist.
Auch frage ich immer in Geschäften nach, ob es vegane Produkte gibt. Wenn man mir z. B. in der Parfümerie oder anderen Geschäften Proben mitgeben möchte, dann erkläre ich immer, dass ich sie nur dann nehmen kann, wenn sie vegan sind. Ich hoffe halt, dass die Nachfrage das Angebot regeln wird.
Aber ein relativ passives Verhalten im Restaurant reicht meist schon aus, um eine entsprechende Reaktion des Gegenübers hervorzurufen. Meistens leider eine eher aggressive Reaktion. Nur durch meine bloße Anwesenheit bin ich dann oft eine Provokation am Tisch. Spätestens bei der Bestellung, bei der ich den Kellner nach veganen Alternativen frage, kommen blöde und böse Sprüche wie: "Was? Jetzt hör aber auf!", "Wie bist Du denn drauf?", "Ich esse aber trotzdem Fleisch, auch wenn Du danebensitzt", "Das finde ich aber übertrieben", "Ohje, Du weißt hoffentlich, dass das sehr ungesund ist", "Wo soll man da denn anfangen und wo soll das enden?", "Och ne, jetzt versau mir aber nicht das Essen", "Wie kommst Du denn jetzt plötzlich dazu?", "Findest Du das nicht ein bisschen zu extrem?", "Man kann's auch übertreiben", usw. In solchen Situationen frage ich meist erst einmal höflich ob der Gegenüber aus ehrlichem Interesse fragt und ernsthaft wissen möchte, warum ich mich so entschieden habe oder ob es sich nur um einen unüberlegten Spruch handelt. Ich weise auch immer ausdrücklich darauf hin, dass es sehr unangenehm und unappetitlich am Tisch werden kann, wenn ich mal ein bisschen von meinen Beweggründen erzählen soll.
Das Problem ist, dass das Essen von Tieren und tierischen Produkten meist lange gelebt und sehr tief in das Bewusstsein verankert ist. Der kluge Gegenüber ahnt irgendwie, dass das Ganze unnötig und mit viel Leid verbunden ist. Er verdrängt es aber. Dieser Verdrängungsmechanismus ist hoch kompliziert und nur schwer zu durchbrechen. Er ermöglicht dem Menschen bequeme, aber völlig widersprüchliche Dinge zu tun, wie z.B. Hunde über alles zu lieben und trotzdem Wolfspelz zu tragen. Oder sich zu weigern Babytiere wie Lämmer oder Kälber zu essen, dafür aber die ausgewachsenen Tiere (die einen sehr viel längeren Leidensweg gegangen sind, als es die sehr jungen Tiere getan hätten). Menschen tendieren dazu, sich automatisch mit anderen zu vergleichen. Sobald ein Nichtveganer also einem Veganer begegnet, vermutet der Nichtveganer, dass der Veganer ihn für seine Lebensweise verurteilt und sich selber für etwas Besseres hält. Das ist sicher nicht immer so, aber oft.
Meine Erfahrung ist, dass man den Menschen nicht im Kurzgespräch überzeugen kann. So was braucht leider Zeit. Das weiß ich ja selbst am Besten. Bei mir hat es auch lange gedauert. Ich bin nicht als Veganerin geboren worden. Am besten ist es positiv vorzuleben und offen Rede und Antwort zu stehen, wenn man nach den Beweggründen gefragt wird. Auch wenn man manchmal einfach die Schnauze voll hat, sich ständig erklären zu müssen und es einen wütend macht, dass andere weiterhin so blind durchs Leben laufen :o)
Liebe Grüße
Liebe Frau S.,
AntwortenLöschendanke für deinen Kommentar auf meinem Blog. Wie toll, dass du schon auf Hof Butenland warst. Ich freu mich wie ein Kleinkind darauf :) Und noch toller, dass du bereits Impulse zum Umdenken geben konntest.
"Die Welt verändern ist im Grunde ganz simpel. Man muss halt nur einfach mal anfangen." - schön gesagt. Und so wahr!
Herzliche Grüße aus Düsseldorf,
Carina
Liebe Frau S.,
AntwortenLöschennun muss ich auch mal schreiben.
Ich lebe erst seit Dezember vegan, nach einem kurzen Anlauf letztes Jahr und nach der Lektüre von "Anständig essen" von Karen Duke, das mir die Augen geöffnet hat. Die von dir beschriebenen Reaktionen kenne ich auch nur zu gut und haben zur Folge, das ich das erst gar nicht groß zum Thema mache.- Ich will ja auch nicht unbedingt missionieren, wobei mich oft die Ignoranz und das Unverständnis ärgern, verbunden mit dem Umstand, das man das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen.
Ich merke auch, das sich die Ernährungsumstellung auf alle Lebensbereiche auswirkt und damit auch auf meine Blogthemen.
Auf jeden Fall freue ich mich, das ich deinen Blog entdeckt habe, der genau so mit der Thematik umgeht, wie ich mir das wünsche. Rechne also öfters mit meinem Besuch!
Liebe Grüße Billa
Willkommen, liebe Billa! Schön, dass Du da bist. Liebe Grüße
LöschenLiebe Frau S.,
AntwortenLöschennun möchte ich auch mal mein Lob loswerden. Weltklasse Blog, weiter so! :o)
Herzliche Grüße aus dem Norden,
Kyra
http://mylifeasaveganista.wordpress.com/
Liebe Kyra, vielen Dank für dieses tolle Lob. Ich freu mich sehr, dass Du zu mir gefunden hast. Liebe Grüße
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